Schwierige Situationen meistern: Aus dem Wald befreien

Marcus Bruns

Marcus Bruns

Marcus ist PGA Professional und Golflehrer im Golfclub Syke. Er ist Buchautor, Podcaster und Gastautor in diversen Magazinen.

Der Abschlag war schlecht, der Ball liegt zwischen Bäumen, und direkt vor Dir steht eine riesige Tanne – genau in der Verlängerung zur Fahne. Willkommen in einer Situation, die fast jeder Golfer kennt. Was jetzt folgt, entscheidet über Deine Scorekarte.

Die meisten Spieler versuchen in diesem Moment den Schlag des Jahrhunderts. Einen Draw um die Ecke, einen Power-Slice vorbei am Baum – irgendetwas Spektakuläres. Das Ergebnis ist meistens noch mehr Ärger. Dabei gibt es einen viel klügeren Weg.

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Erst schauen, dann schlagen

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Bevor Du irgendeinen Schläger aus der Tasche ziehst, schau Dir die Lage genau an. Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht. Viele Spieler greifen sofort zum nächsten Eisen und hauen drauf.

Räume zunächst alles weg, was nicht angewachsen ist – solange Du dabei weder Deinen Ball noch Deinen Stand veränderst. Dann beantworte Dir drei Fragen:

  • Wie liegt der Ball? Hart, weich, flach, tief?
  • Was ist auf dem Weg zum Ziel – nicht nur das Ziel selbst?
  • Welchen Abflugwinkel brauche ich, um Äste und Hindernisse zu umgehen?

Besonders die zweite Frage wird ständig vergessen. Spieler schauen auf die Fahne und denken nicht daran, was zehn, zwanzig oder dreißig Meter vor ihnen hängt.

Der Abflugwinkel entscheidet alles

Hier passiert der häufigste Fehler in Rough- und Waldsituationen. Du stehst zwischen Bäumen, über Dir hängen Äste. Du nimmst ein Pitching Wedge (42° bis 44°) oder ein Sand Wedge (54°) – und wunderst Dich, warum der Ball sofort in den Ästen hängt.

Der Grund ist einfach: Je mehr Loft ein Schläger hat, desto steiler geht der Ball nach oben. In einer Situation mit niedrigen Ästen brauchst Du deshalb einen Schläger mit weniger Loft. Ein langes Eisen oder sogar ein Hybrid hält den Ball tief und schickt ihn mit flacher Kurve unter den Ästen durch.

Typischer Fehler: Nur aufs Ziel schauen

Viele Anfänger fixieren beim Schlag aus schwierigen Lagen nur die Fahne oder das Ziel – und ignorieren dabei völlig, was auf dem Weg dorthin im Weg steht. Äste, Büsche, Baumkronen: All das muss zuerst bedacht werden, bevor Du Dein Ziel wählst.

Frage Dich immer zuerst: Was ist der niedrigste freie Weg aus dieser Situation heraus? Dann wähle den passenden Schläger.

Ballposition anpassen bei hartem Untergrund

Liegt Dein Ball auf hartem Boden – zum Beispiel zwischen Baumwurzeln oder auf verdichtetem Waldboden – dann verlagere die Ballposition weiter zu Deinem hinteren Fuß. Dadurch triffst Du den Ball direkt im Treffmoment, bevor der Schläger in den Boden kommt.

Hast Du den Ball zu weit vorne im Stand, passiert genau das Gegenteil: Du kommst zu früh in den Boden, hast einen fetten Ballkontakt oder Du toppst den Ball. Beides kostet Dich Kontrolle und Distanz – in einer Situation, in der Du beides brauchst.

Zwischenziel setzen für die richtige Ausrichtung

Wenn Du weißt, wohin Du spielen willst, such Dir ein Zwischenziel. Das bedeutet: Wähle einen Punkt am Boden, etwa 20 bis 30 Zentimeter vor Deinem Ball, der auf Deiner Ziellinie liegt. Das können drei auffällige Grashalme sein, ein kleiner Stein oder eine Verfärbung im Boden.

So funktioniert die Ausrichtung Schritt für Schritt:

Ausrichtung mit Zwischenziel
  1. Ziel bestimmen: Wohin soll der Ball fliegen?
  2. Zwischenziel suchen: Ein Punkt 20 bis 30 cm vor dem Ball auf der Ziellinie
  3. Schläger zuerst an den Ball setzen – Schlagfläche zeigt zum Zwischenziel
  4. Dann den Stand einnehmen (nicht umgekehrt!)
  5. Nur das Zwischenziel fixieren und durch den Ball in diese Richtung schwingen

Clever denken statt riskieren

Der entscheidende Gedanke in solchen Situationen ist dieser: Spiel den Ball zurück aufs Fairway. Kein Kunstschuss, kein Risiko. Einfach eine sichere Position für den nächsten Schlag schaffen.

Als Anfänger mit einem höheren Handicap hast Du an jedem Loch Schläge zur Verfügung. Nutze einen davon, um Dich aus der schwierigen Lage zu befreien. Dann spielst Du den nächsten Schlag entspannt vom Fairway – statt noch tiefer im Wald zu landen.

Das klingt unspektakulär. Aber es ist die Strategie, mit der Du am Ende der Runde die meisten Punkte sammelst und die meiste Freude am Spiel hast.

Warst Du schon einmal in einer ähnlichen Situation – und welche Entscheidung hast Du getroffen? Schreib es mir in die Kommentare, ich beantworte alle Fragen!

Text: CSP

Marcus Bruns

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Marcus ist PGA Professional und Golflehrer im Golfclub Syke. Er ist Buchautor, Podcaster und Gastautor in diversen Magazinen.

Kommentare

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4 Kommentare
Roland

Danke ,für die taktische Erklärung.Ich bin von deinen Videos sehr begeistert! Training nach deinen Empfehlungen. Der driver macht immer noch Probleme, 150 m und das aber zu 90% gerade ! Ich übe und lerne Weiter.Lg Roland

Heino

Deine Taktik-Videos sind wirklich eine große Hilfe. Man ist meistens zu sehr auf die Fahne fixiert und lässt dabei den Weg dorthin ausser Acht.