Seinem Geschäftssinn vertraute Sascha Kruse bereits als Kind, indem er nach der Schule nach Golfbällen suchte und diese dann verkaufte. Im Laufe der Zeit investierte Sascha immer mehr in seine Suchausrüstung: Am Anfang waren es Gummistiefel, irgendwann kam ein Neoprenanzug hinzu. Seit seiner Tauchausbildung vor zwölf Jahren ist Sascha als Golfballtaucher in den Wasserhindernissen Norddeutschlands unterwegs.
Sascha Kruse sammelt seit seinem dreizehnten Lebensjahr Golfbälle. Zunächst um sein Taschengeld aufzubessern - seit 2007 sogar hauptberuflich.
Die gefundenen Bälle verkauft er in seinem Online-Shop golfballcomeback.de.
Sascha, wie wird man eigentlich Golfballtaucher?
Ich habe die ersten Bälle als 13-Jähriger im Knick beim benachbarten Golfplatz gesammelt, um mein Taschengeld aufzubessern. Dann blieb ich irgendwie dabei hängen. Mein Einsatz hat sich dann immer weiter gesteigert: Erst mit Gummistiefeln, dann mit Wathose und zum Schluss mit dem ersten Neopren-Anzug aus der Annoncen-Avis (dem Vorreiter von Ebay). Noch schön mit Luft anhalten, so ging das alles los.
Im Jahr 2002/2003 habe ich dann nebenberuflich ein Gewerbe angemeldet und habe auch extra für diesen Zweck eine Tauchausbildung gemacht. Die ersten 5 Partnerclubs hatte ich nach einem Jahr beisammen. Im Frühjahr 2007 hatte ich dann meinen alten Bürojob gekündigt und alles auf die Karte "Golfbälle gesetzt.
Seitdem mache ich nichts Anderes mehr und betauche im Norddeutschen Raum circa 35 Golfanlagen.
Endlich gutes Golf spielen
Ich habe gelesen, dass Du Deutschlands einziger hauptberuflicher Golfballtaucher bist. Was machst Du anders als die anderen?
Der einzige hauptberufliche Golfballtaucher dürfte so nicht mehr stimmen... Mittlerweile weiß ich, dass es in Niedersachsen und auch in Nordrheinwestfalen bereits professionelle Balltaucher gibt. Dazu auch wohl jede Menge Taucher, die das als Hobby oder als Nebenjob betreiben.
Ich hatte das Glück, zu einem guten Zeitpunkt das Ganze zu starten... Mittlerweile dürfte jetzt ein Neustart sehr schwierig werden, da ja fast überall nach Golfbällen getaucht wird.
An wie vielen Tagen im Jahr machst Du Dich in Wasserhindernissen auf die Suche?
Ich bin im Jahr circa an 75 Tagen auf dem Golfplatz unterwegs, manchmal nur für einen Teich, manchmal auch ein ganzer Platz an einem Tag.
… und auf welchen Plätzen bist Du unterwegs?
Mein Tauchgebiet liegt in Schleswig-Holstein und Hamburg - dazu noch zwei, drei Ausreißer im nördlichen Niedersachsen.
Wie viele Bälle fischst Du an einem Tag in etwa aus dem Wasser?
Das ist pauschal schwer zu sagen. Es variiert zwischen 1000 und 3000 Bällen - das ist so der Schnitt. Ich hatte auch schon mal weniger, aber auch deutlich mehr ...
Gibt es Marken, die besonders häufig vertreten sind?
Ja, in der Tat. Die meist gefundenen Ballmarken in meiner Reihenfolge sind:
- Top-Flite
- Titleist
- Wilson
- Callaway
- Pro Ace
Du verkaufst die Bälle. Musst Du den Golfplätzen für die Tauchgänge bezahlen?
Die Partner-Golfplätze bekommen von mir immer eine kleine "Ablösesumme" pro getauchten Ball, quasi ein Obolus. Dazu gibt es alle gefundenen Range-Golfbälle noch zurück.
Der Anteil der Rangebälle variiert übrigens sehr stark von Golfplatz zu Golfplatz. Auf den meisten Anlagen liegt der Anteil an Rangebällen maximal bei 5%. Es gibt aber so ein bis zwei Plätze, wo ich bis zu 15% Rangebälle aus den Wasserhindernissen fische. Aber das sind wirklich die Ausnahmen.
In welchem Zustand sind die Bälle, die Du findest? Gibt es Faktoren, die die Ballqualität beeinflussen können?
Der Zustand der getauchten Bälle ist sehr unterschiedlich: Von teilweise wie "neu aus dem Laden" bis "solide gebraucht" bis "völlig kaputtgespielt" ist alles dabei.
Auch die unterschiedlichen Wasserbeschaffenheiten wirken auf die Qualität der Bälle ein. Zum Beispiel ein hoher Eisenteil im Wasser führt dazu, dass die Bälle braun werden. Auch Algen und Pflanzenbewuchs kann sich teilweise auch auf den Bällen absetzen. Ob es sich um einen naturbelassenen oder einen Folien-Teich handelt, wirkt sich natürlich am meisten auf den Zustand der getauchten Bälle aus.
Die eisenhaltige Bälle werden nach dem Tauchgang zuerst für zwei Tage in einer speziellen Seifenlauge eingeweicht, danach bekomme ich die Bälle in der Ballwaschmaschine auch sauber. Das Problem ist nur, dass diese Bälle nach der Reinigung oft stark vergilbt sind. Fast so ähnlich wie eine Rauchertapete. Diese Bälle verkaufe ich dann natürlich günstiger als die, die einwandfrei sind.
Was war das Kurioseste, was Du bisher beim Tauchen entdeckt hast?
Mittlerweile werde ich immer öfters für einen "Rettungseinsatz" auf dem Golfplatz bestellt: Es rutscht meist der ganze Trolley rein und die Kleinteile und Wertsachen fehlen meist... Ich hatte bisher zwei Smartphones, dazu auch mehrfach Haustür- oder auch Autoschlüssel.
Völlig unvorbereitet traf mich aber der Fund von einem CD-Wechler für das Auto (die CDs da drin habe ich nie rausbekommen). Und auch eine (leider leere) Registrierkasse habe ich schon auf dem Golfplatz gefunden.
Spielst Du auch selber Golf?
Ich selber spiele kein Golf. Ich freue mich am Wochenende, mal nicht auch noch auf dem Golfplatz rumzuturnen. Aber einen Schlägersatz, um mit dem Golf mal anzufangen, hab ich inzwischen schon zusammen getaucht ...
Sascha, vielen Dank für das Gespräch.
Text: CSP





Ich bin seit einigen Jahren Kunde von Sascha Kruse und wurde bisher immer bestens beliefert. Also 5 Sterne für Service, Qualität und Freundlichkeit.