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Fitting: Golfschläger nach Maß

Ein Fitting (Anpassung) ist eine 30- bis 45-minütige Session, bei der mit Hilfe eines Flight-Scopes oder Trackmans (Radargerät) verschiedene Daten über den Schwung und den Ballflug eines Spielers erhoben werden können. Der Clubfitter entscheidet, unter Berücksichtigung der erhobenen Daten, seiner persönlichen Erfahrung und der Rückmeldung des Spielers, welche Schläger für die jeweils individuellen Voraussetzungen des Spielers (Körperbau, Bewegungsablauf etc.)  geeignet sind.

Warum sollte man seine Golfschläger fitten lassen?

Golfschläger © cmcderm1

Golfschläger © cmcderm1

Im Golf geht es immer um Vertrauen – in den eigenen Schwung und in die eigenen Schläger. Für den richtigen Schwung ist vorrangig ein Professional zuständig, für die richtigen Golfschläger der Clubfitter. Ein guter Clubfitter ist unter Umständen auch in der Lage, auf kleine Fehler im Schwung einzugehen und sie zusammen mit dem Spieler zu korrigieren. Hauptaufgabe ist es allerdings nicht, den Schwung umzustellen oder zu verbessern, sondern das Optimum aus spielerischen und körperlichen Ressourcen des Spielers mithilfe des richtigen Materials hervorzubringen. Jeder Golfer hat andere körperliche und spielerische Voraussetzungen. Diese müssen beim Fitting berücksichtigt werden.

Aufbau eines Golfschlägers

Aufbau eines Golfschlägers

Was wird angepasst?

Die Länge der Schläger:

Körpergröße und Abstand zwischen Boden und linker Handwurzel (beim Rechtshänder) sind für die Länge der Schläger entscheidend. Ein Spieler mit einer Körpergröße von 1,90m sollte z.B. keine Damenschläger benutzen, da so, biomechanisch betrachtet, kein vernünftiger Schlag möglich ist. Der Spieler würde auf Grund der zu kurzen Schläger zu nah am Ball stehen und diesen eher mit dem Schaft treffen als mit dem Schlägerblatt, was zu einer unbeliebten Golferkrankheit führt: dem Socket!

Das Socket, auch Shank genannt, zeichnet sich aus durch einen kurzen, knackigen Ballflug rechtwinklig zur anvisierten Ziellinie ins Ungewisse. Ein Spieler, der seine Bälle socketiert, ist gebrandmarkt. Aus Angst wird ihm vor einer Runde nicht die Hand geschüttelt, da unter Golfern der Aberglaube besteht, dass sich dieses Phänomen auf die Mitspieler überträgt. Ein berühmter Golfer hat einmal gesagt: Das Leben ist zu kurz, um mit den falschen Schlägern zu spielen.

Der Schaft:

Die Wahl der Schafthärte ist abhängig von der individuellen Schlägerkopf- und Ballgeschwindigkeit des Spielers. Der Schaft beeinflusst maßgeblich den Ballflug. In den meisten Fällen bestehen die Schäfte aus Graphit oder Stahl. Beide Materialen sind in verschiedene Flexibilitätsstufen eingeteilt: Ladies-Flex (nur Graphit), Light-Flex, Regular-Flex, Stiff-Flex, X-Stiff. Stahl ist schwerer und weniger flexibel als Graphit. Der Stahlschaft gibt mehr Vibration an den Spieler zurück, die Rückmeldung ist daher um einiges höher. Der Spieler erfährt mehr über die Qualität seines Schlages und kann so gezielter an seinem Schwung und Trefferbild arbeiten.

Der Graphitschaft ist weniger schwer, deshalb liegt das Gewicht des Schlägers insgesamt mehr auf dem Schlägerkopf. Dadurch ist der Spieler in der Lage, höhere Geschwindigkeiten zu erzeugen. Spieler mit langsamen Schwüngen wird so die Möglichkeit gegeben mehr Länge zu generieren. Je höher die Schlägerkopfgeschwindigkeit, desto härter und schwerer sollte der Schaft sein. Je niedriger bzw. langsamer die Schlägerkopfgeschwindigkeit, desto leichter und flexibler sollte der Schaft sein. Welcher Schaft genau zu welcher Schlägerkopfgeschwindigkeit passt, kann pauschal nicht gesagt und sollte deshalb stets ausprobiert werden.

Der Schlägerkopf:

Für welchen Schlägerkopf der Spieler sich entscheidet, ist zum einen abhängig von seinen golferischen Fähigkeiten, zum anderen vom individuellen Gefühl, das ihm beim Schlagen des Balls vermittelt wird. Schlägerköpfe mit breiter Sohle und großer Schlagfläche sind fehlerverzeihend und leichter zu spielen. Diese Schlägerköpfe nehmen weniger Drall an und sorgen für einen tendenziell geraden und hohen Ballflug. Schlägerköpfe mit schmaler Sohle und kleiner Schlagfläche nehmen mehr Drall an und eignen sich daher sehr gut, um dem Ball gewünschte Flugkurven auf dem Weg zur Fahne mitzugeben. Hierfür ist allerdings spielerisches Können ausschlaggebend.

Der Lie-Winkel:

Als Lie wird der Winkel bezeichnet, der sich zwischen Sohle und Schaft des Schlägers befindet. Auch der Lie-Winkel kann vom Clubfitter gemessen und individuell angepasst werden. Liegt der Schlägerkopf im Treffmoment eher auf der Spitze, öffnet sich der Schläger und der Ball fliegt tendenziell nach rechts. Ein auf der Hacke an den Ball kommender Schlägerkopf bewirkt dagegen ein Schließen des Schlägerblatts. In diesem Fall wird der Spieler seinen Ball links vom Ziel wieder finden. Sollte sich eine eindeutige Abweichung in eine der beiden Richtungen ergeben, wird der Lie-Winkel in die entgegengesetzte Richtung gebogen, um in Zukunft einen geraden Ballflug zu ermöglichen.

Loft & Lie

Loft & Lie

Der Griff:

Die Griffstärke ist beim Rechtshänder abhängig von der Gesamtlänge der linken Hand und der Länge des Mittelfingers. Die Größen werden unterteilt in Ladies (Undersize), Standard, Midsize und Oversize. Zwischengrößen sind möglich durch das Umwickeln von mehr oder weniger Tape unter dem Griff. Die Griffstärke muss zum jeweiligen Spieler passen, da ansonsten eine gerade Flugbahn des Balles schwerer zu erreichen ist.

Das Fitting ist beendet und die Vorfreude auf das neue bzw. optimierte Werkzeug steigt. (Denn) ein Fitting ist auch ohne einen Neukauf möglich.
Ein komplett angepasster Schlägersatz ist in der Regel nicht kostspieliger als ein Set von der Stange, es dauert nur länger bis er verfügbar ist, da er anhand der Spezifikationen erst angefertigt werden muss. Die Lieferzeit beträgt etwa zehn Werktage.

Jeder Spieler sollte ein Fitting erleben, denn er wird dabei mehr über sich selbst und sein Spiel lernen. Die erlangten Erkenntnisse werden schon auf der nächsten Runde helfen, Situationen besser einzuschätzen und so ein paar Schläge einzusparen. Was auch immer auf einer Golfrunde geschieht, der nächste Schlag ist der Wichtigste.

Schönes Spiel.

Tommy

Tommy

Tommy spielt seit 1999 Golf und ist Experte für Golfschläger-Fitting bei Golfhouse. Sein Handicap liegt bei -5.

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8 Kommentare

  1. marcel schulze says:

    Sehr geiler und auch hilfreicher Artikel. Habe mich letztens bei Tommy Braun im Golfhouse Fitten lassen und bin total zufrieden mit dem neuen Material.

    LG Marcel

  2. Kompetente fachverkäufer mit liebe zum detail .. 😉

  3. Thomas Thrun says:

    Sehr kompetenter Artikel und der richtige Ansatz, bestes Golf zu spielen. Thomas Braun ist ein ausgesprochener Experte der mit seinem Artikel den Nagel auf den Kopf trifft.
    ich bin auf seine weiteren Veröffentlichungen gespannt.

  4. Die klassische Oberflächlichkeit, Fitting, wie es nicht sein soll.

  5. HeavyHitter7704 HeavyHitter7704 says:

    Hi, wie sollte ein Fitting Deiner Meinung nach ablaufen? LG

  6. Daumen hoch für diesen Artikel! Habe über Jahre die falschen Schläger gespielt und mich nie weiter entwickeln können. Tommy Braun hat mir geholfen die passenden Schläger zu finden. Auf einmal habe ich wieder Spaß am Golf und konnte dieses Jahr mein Hcp. von 29,5 auf 21,3 verbessern. Danke 🙂

  7. @Sam: Ich frage mich, was so ein Kommentar soll. Kritik ist gut, da man nur so besser werden kann. Nur ohne Argumente, finde ich solche Aussagen äußerst fragwürdig…

  8. Danke für diesen ausführlichen Artikel. Jetzt kann ich mir unter dem Begriff „Fitting“ etwas vorstellen. Im Moment Spiele ich als Golfanfängerin einen Standardsatz, meinen nächsten werde ich nun aber mit Sicherheit fitten lassen :).

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