Malta steht nicht gerade als Golfreiseziel auf der Bucket List vieler Golfer – und das hat einen simplen Grund: Es gibt nur einen einzigen Golfplatz auf der ganzen Insel. Wer aber ohnehin nach Malta reist oder die Insel bewusst als Golfdestination der besonderen Art wählt, wird mit einem Erlebnis belohnt.
Ein Club mit königlichem Titel
Bevor der erste Ball fliegt, lohnt ein kurzer Blick in die Geschichte. Der Royal Malta Golf Club wurde 1888 gegründet – als Lieutenant-General Sir Henry D'Oyley Torrens Golf auf der Insel etablierte. Einer der Gründer war Prince Alfred, der damalige Duke of Edinburgh, der zu dieser Zeit in Malta stationiert war. Den „Royal"-Status erhielt der Club durch königliche Schirmherrschaft früh; er zählt damit zu einer sehr kleinen Gruppe von Clubs weltweit, die diesen Titel tragen dürfen.
Ursprünglich spielte man in und um die Befestigungsanlagen von Valletta – auf sandbedeckten Betonflächen, weil natürlicher Rasen schlicht nicht vorhanden war. 1904 zog der Club an seinen heutigen Standort in Marsa um, wo er sich über die Jahrzehnte zu einem vollwertigen 18-Loch-Platz entwickelte. Ein ziemlich besonderes Kapitel der Golfgeschichte im Mittelmeerraum.
Stadtgolfplatz mit Charme – und Charakter
Der Royal Malta Golf Club liegt mitten im Marsa Sports Club, einer großen Sportanlage südwestlich von Valletta. Tennis, Cricket, Baseball – hier wird Sport in vielerlei Gestalt betrieben. Der Golfplatz ist eingebettet in eine parkartige Umgebung aus altem Baumbestand und offenen Rasenflächen, umgeben von Stadt und Autobahn.
Klingt nach Abzug? Auf dem Platz selbst vergisst man den urbanen Trubel schnell. Nur an wenigen Stellen blitzen historische Gebäude oder das Stadtpanorama durch – und das ist ausschließlich als Gewinn zu verstehen. Der Platz ist flach, gut zu Fuß spielbar, und bietet alles andere als Langeweile.

Ein Idyll, umgeben vom Trubel der Insel
Ein praktischer Hinweis vorab: Der Parkplatz des Marsa Sports Club kostet 2 Euro pro Stunde (Kennzeichenerfassung). Bezahlt wird nicht im Clubhaus, sondern im Sekretariat des Sports Club – das sollte man wissen, bevor man nach der Runde überrascht wird.
Typisch britisch: Präzision schlägt Länge
Der Par-69-Platz ist kurz – aber das täuscht gewaltig. Was auf den ersten Blick einfach aussieht, entpuppt sich spätestens am zweiten Grün als clevere Falle: Die Fairways sind eng und klar definiert, die Greens nach USGA-Standard neu angelegt und wellig genug, um jeden Ansatz ehrlich zu bewerten. Es geht nicht darum, wer den Ball am weitesten schlägt, sondern wer ihn am genauesten spielt. Das ist klassisch britisch – und das ist es auch, was den Platz so reizvoll macht.
Bereits der erste Abschlag macht das unmissverständlich klar: Eine enge Gasse zwischen dem Clubhaus und der hereinkommenden Bahn 18 – links und rechts kein Spielraum für Ungenauigkeit. Ein starker Auftakt, der die Richtung vorgibt.

Abschlag 1 – Enge Gasse zwischen Clubhaus und Bahn 18
Die Platzpflege ist durchweg gut. Die Greens wurden zuletzt grundlegend modernisiert und sind in sehr gutem Zustand – und sie sind schnell. Sehr schnell. Die subtilen Konturen fordern auf den Grüns konsequent das Nachdenken: Woher kommt das Gefälle, wo bricht der Ball? Wer auf sanfte, nachgiebige Flächen hofft, wird hier umdenken müssen. Für erfahrene Golfer ist das eine echte Prüfung; für Einsteiger ist der Platz dennoch fair genug, um Spaß zu machen.
Die Highlights: Drei Bahnen, die im Gedächtnis bleiben
Der Platz hat einige starke Bahnen, drei davon sind aber besonders erwähnenswert:
Bahn 6 – Das Signature Hole: Ein kurzes Par 3, das in der Golfwelt des Mittelmeers zu den bekanntesten Löchern zählt. Das lange Grün wird von versteckten Bunkern vorne links und rechts bewacht. Die Fahne ist kaum zu sehen – wer genau hinschaut, kann sie gerade eben durch einen historischen Bogen erspähen. Kamera bereit halten: Das ist kein Marketing-Versprechen, das ist berechtigt.
Bahn 15 – Mit Kirchblick: Im Hintergrund ragt die St. Sebastian Parish Church in den Himmel – ein Bild, das die Kulisse des Mittelmeers perfekt auf den Punkt bringt. Golf mit Architektur.

Bahn 15 – Im Hintergrund die St. Sebastian Parish Church
Bahn 18 – Der Abschluss: Der Schlag muss über einen Kanal geführt werden. Ein würdiger Abschluss einer technisch anspruchsvollen Runde – und einer der eindrucksvollsten Schlussakkorde, die ein Stadtgolfplatz bieten kann.

Bahn 18 – Schlag über den Kana
Greenfee, Leihschläger und Gastronomie
Das Greenfee für 18 Loch liegt bei 100 Euro – ein Preis, der in den letzten Jahren stetig gestiegen ist. Leihschläger sind für 50 Euro erhältlich. Das Schlägerset ist nicht ganz auf dem neuesten Stand, aber für eine Runde absolut ausreichend. Wer aktuelle Modelle möchte, zahlt einen Aufpreis.
Das Personal ist ausgesprochen freundlich und hilfsbereit – das macht den Empfang wärmer, als man es von einem so geschichtsträchtigen Club vielleicht erwarten würde.
Nach der Runde lohnt sich ein Stopp im Putter's Inn, dem Clubrestaurant mit Terrasse und direktem Blick auf den Platz. Die Preise sind fair, die Atmosphäre entspannt – genau das Richtige, um die Eindrücke einer runden Golfrunde Revue passieren zu lassen.
Malta abseits des Golfplatzes
Malta ist mehr als Golf – und das ist gut so, denn einen zweiten Platz gibt es nicht.
Valletta ist ein absolutes Muss. Die Hauptstadt ist klein, dicht und unglaublich schön – barocke Architektur, enge Gassen, ein Hafen, der atmet. Wichtig: Das Auto am besten stehen lassen. Empfehlenswert ist stattdessen die Fähre von Bormla – kurze Überfahrt, großartige Perspektive auf die Festungen.
Bormla selbst ist ein Geheimtipp: Weniger überlaufen als Valletta, mit ausgezeichneten Restaurants mit Blick auf den Grand Harbour und die Promenade. Dort gibt es einige der besten Adressen der Insel.

Der Hafen von Bormla
Wer frühstücken möchte: The Date Café ist eine verlässliche Adresse. Zum Abendessen empfehlen sich Il Pirata Senglea (sehr guter Italiener, faire Preise) und – für einen besonderen Abend – das gehobene Fischrestaurant Enchanté.
Für einen Ausflug ins Inselinnere lohnt sich Mdina, die alte Hauptstadt: Mittelalterliche Stadtmauern, fast keine Autos, eine eigenartige Stille. Und im Nordwesten der Insel warten mehrere wunderschöne Buchten und Strände.
Unterwegs auf der Insel: Ein Mietwagen gibt die größte Freiheit – aber Achtung, in Malta gilt Linksverkehr. Eine bequeme und günstigere Alternative ist Uber oder Bolt, beide funktionieren auf der Insel gut.
Wer in San Ġiljan übernachtet, findet zahlreiche günstige 5-Sterne-Hotels, darunter das Hilton mit toller Poolanlage. Das Viertel ist allerdings das Partyzentrum der Insel. Wer es ruhiger mag, ist in Bormla besser aufgehoben – schönere Lage, angenehmeres Ambiente.
- Greenfee: 100 Euro / 18 Loch
- Leihschläger: 50 Euro (aktuelle Modelle gegen Aufpreis)
- Parkplatz: 2 Euro/Stunde, Bezahlung im Sekretariat des Marsa Sports Club
- Gastronomie: Putter's Inn – faire Preise, Terrasse mit Platzblick
- Anfahrt: Uber oder Bolt als bequeme Alternative zum Mietwagen
- Restauranttipps Bormla/Senglea: Il Pirata Senglea (Italiener), Enchanté (Fisch, gehoben)
- Frühstück: The Date Café
- Fähre nach Valletta: Ab Bormla – unbedingt empfehlenswert
- Ausflugstipps: Mdina, Strände im Nordwesten der Insel
Pflichtprogramm – aber kein Reisegrund
Seien wir ehrlich: Man fliegt nicht nach Malta, um Golf zu spielen. Dafür gibt es zu viele bessere Alternativen im Mittelmeer – und nur einen einzigen Platz auf der ganzen Insel. Wer aber ohnehin dort ist und die Gelegenheit nutzt, erlebt etwas Seltenes: eine Runde Golf wie eine Zeitreise. Ein 1888 gegründeter Club mit königlichem Titel, Bahnen mit Blick auf Kirchturmspitzen und Stadtmauern, schnelle Greens nach USGA-Standard – und mittendrin das Gefühl, dass hier schon britische Offiziere ihre Abschläge verwünscht haben.
Das ist kein Platz, der auf der Bucket List ganz oben steht. Aber einer, den man so schnell nicht vergisst.
Text: CSP

Kommentare
Ich fliege tatsächlich einmal im Jahr nach, Malta, nur um Golf zu spielen. Drei Gründe: 1. Auf Malta gibt’s keine Zwischen-Saison. D.h., bis zum 31. März gelten für Flüge und Hotels günstige Winterpreise. Man kann bereits im Januar dort sehr gut spielen. Benzin kostet einheitlich an allen Tankstellen 1,37 €. Aber Achtung, hier fährt man auf der linken Straßenseite. 2. Es gibt eine sehr gute Golfschule mit Head Pro Henning Schulze-Döring, wie der Name vermuten lässt ein deutscher. Sehr zu empfehlen, insbesondere Strategie Unterricht auf dem Platz. 3. Malta hat eine sehr höfliche, britische Kultur und man ist als Gast… Weiterlesen »
Im Podcast wird erwähnt, dass es keine Driving Range gibt. Das ist nicht richtig. Sie ist am Ende des Parkplatzes, ist aber nur 200 Yards lang.
Cooler Beitrag - Danke😍 Greenfees sind 100 Euro ganzjährig - leider keine 9 Loch Greenfees. Buggies unbedingt vorher buchen; wir haben nicht so viele.
Golfschule auf http://www.golfinmalta.com und die Driving Range gab es nicht von Anfang (Gründungsjahr1888) an, Aber seit 1993 haben wir eine😇.
Viele Grüße aus Malta,
Henning