GOLFSTUNDE

Wie berechnet sich das Handicap bei einem 9-Loch-Turnier nach Stableford?

Über den Autor
Christophe hat GOLFSTUN.DE in's Leben gerufen, um anderen Golfern den Einstieg in den Golfsport zu erleichtern.

Wie die Berechnung des Handicaps mit dem WHS (World Handicap System) funktioniert, habe ich hier ausführlich beschrieben. Nachdem die neue Golfsaison gestartet ist, entdecken viele Menschen den Golfsport für sich, machen die Platzreife und spielen ihre ersten Turniere. Alte Hasen sind bei der Frage, wie sich nun das Handicap für Golfanfänger berechnet, überfragt. Es fehlen schlicht die Erfahrungswerte.

Da die meisten Turniere über neun Löcher gehen und nach Stableford gespielt werden, möchte ich an dieser Stelle die Frage vertiefen, wie sich der WHI (World Handicap Index, also das Handicap) berechnet, wenn erstmalig eine handicaprelevante Runde gespielt wird.

Was sind Stableford-Punkte und spielen diese überhaupt noch eine Rolle?

Der zweite Teil der Frage ist leicht zu beantworten: Ja, sie spielen eine Rolle.

Als das World Handicap System vorgestellt wurde, verbreitete sich vor allem die Formel für die Berechnung im Zählspielformat. Wenn ein Turnier nach Stableford gespielt wird, ist die Berechnung wie folgt:

([PAR] + [COURSE HANDICAP] – ([ERSPIELTE PUNKTE] - 36) – [Course Rating]) / [Slope] x 113

Wie sich die erspielten Punkt berechnen, erkläre ich gleich.

handicap stableford - Wie berechnet sich das Handicap bei einem 9-Loch-Turnier nach Stableford?

Doch was sind nun Stableford-Punkte?

Wenn Du Deine Platzreife gemacht hast, hast Du eine Vorgabe (also ein Handicap) von 54. Das bedeutet, dass Du auf einer 18-Loch Runde quasi 54 Schläge Vorsprung im Vergleich zu einem Golfer mit Handicap 0 (»Scratch-Golfer«) bekommst. Das hat den Vorteil, dass sich in einem Turnier nach Stableford Golferinnen und Golfer unterschiedlicher Spielstärken fair vergleichen können, denn das Handicap bzw. die Vorgabe berücksichtigt die aktuelle Spielstärke.

Auf eine 18-Loch-Runde übertragen bedeutet das, dass Dir pro Bahn 3 Schläge mehr zur Verfügung stehen (54 geteilt durch 18 gleich 3), um zwei Stableford-Punkte zu erzielen, wenn Du Dein persönliches PAR spielst (persönliches PAR = PAR der Bahn + Deine Vorgabe).

Wie viele Schläge Du pro Bahn »Vorgabe« hast, erkennst Du auf der Scorekarte anhand der Anzahl der aufgedruckten Striche in der jeweiligen Zeile.

Als Golferin oder Golfer mit Handicap 54 kannst Du also mit den folgenden Schlagzahlen folgende Punkte erreichen:

Dein Ergebnis Stableford-Punkte bei einer Bahn mit PAR 3 Stableford-Punkte bei einer Bahn mit PAR 4 Stableford-Punkte bei einer Bahn mit PAR 5
1 Schlag 7 Punkte 8 Punkte 9 Punkte
2 Schläge 6 Punkte 7 Punkte 8 Punkte
3 Schläge 5 Punkte 6 Punkte 7 Punkte
4 Schläge 4 Punkte 5 Punkte 6 Punkte
5 Schläge 3 Punkte 4 Punkte 5 Punkte
6 Schläge 2 Punkte 3 Punkte 4 Punkte
7 Schläge 1 Punkt 2 Punkte 3 Punkte
8 Schläge 0 Punkte 1 Punkt 2 Punkte
9 Schläge 0 Punkte 0 Punkte 1 Punkt
10 oder mehr Schläge 0 Punkte 0 Punkte 0 Punkte

Wie Du siehst, hat das Stablford-System den Vorteil, dass Du auf jeder Bahn Punkte sammeln kannst. Wenn Du also eine Bahn ver...haust, kannst Du das auf anderen Bahnen wieder ausgleichen.

Und wie berechnet sich jetzt mein erstes Handicap nach einem 9-Loch-Turnier?

Leider ist die Berechnung recht kompliziert und lässt sich auch nur schwer exakt nachvollziehen, da es zwei Faktoren gibt, die als Außenstehender nur schwer bzw. gar nicht transparent sind. Ohne tiefer ins Detail gehen zu wollen: Bei 9-Loch-Turnieren wird der Slope (also die Schwierigkeit des Platzes) nur für die ersten neun Bahnen verwendet. Wenn man also eine 9-Loch-Runde auf einem 18-Loch-Platz spielt, ist der Slope nicht identisch mit dem Slope des gesamten Platzes. Zudem kann es Abweichungen in der Berechnung geben, wenn das gesamte Turnierfeld besonders gut oder besonders schlecht abgeschnitten hat. Diese Abweichungen dürften nicht all zu sehr ins Gewicht fallen, können aber eine exakte eigenhändige Berechnung erschweren.

Um das erste Handicap zu berechnen (entspricht in diesem Fall dem »Score Differential«), müssen wir uns die Formel noch mal anschauen:

([PAR] + [COURSE HANDICAP] – ([ERSPIELTE PUNKTE] - 36) – [Course Rating]) / [Slope] x 113

Folgende Werte benötigen wir:

  • PAR: Dieser Wert steht auf der Scorekarte. Bei den meisten Plätzen ist dies 72.
  • COURSE HANDICAP: Das ist Deine persönliche Vorgabe. Wenn Du noch nie eine handicaprelevante Runde gespielt hast, ist dies 54.
  • ERSPIELTE PUNKTE: Deine Stableford-Punkte. Zähle Deine Punkte für die ersten neun Bahnen (siehe oben) und zähle bei einer 9-Loch-Runde 17 Punkte hinzu.
  • COURSE RATING: Steht ebenfalls auf der Scorekarte unter dem Wert »CR«. Nehmen wir als Beispiel 72,3.
  • SLOPE: Der Slope der ersten neun Bahnen. Bei 9-Loch-Plätzen kannst Du den Wert der Scorekarte nehmen. Bei 18-Loch-Plätzen müsste der Slope der gespielten neun Bahnen extra ausgewiesen sein, damit Du eine mäglichst exakte Berechnung vornehmen kannst. Beispiel: 128.

Die 113 ist übrigens ein Anpassungsfaktor, um die Schwierigkeit unterschiedlicher Plätze bei der Berechnung ausgleichen zu können. Und die 36 steht für die handicapneutrale Vorgabe (2 Stableford-Puknkte pro Bahn).

Mit diesen Werten können wir nun das »Score Differential« berechnen.

Was ist ein »Score Differential« und wie wird es berechnet?

Das »Score Differential« ist im Grunde das Ergebnis Deiner Runde mit dem Dein Handicap berechnet wird. Spielst Du weitere Runden, werden ab einem bestimmten Punkt Durchschnittswerte ermittelt. Dazu später mehr.

Zwei Beispiele zur Veranschaulichung der Berechnung:

Frisch die Platzreife gemacht und erstes Turnier gespielt

Nehmen wir an, Du hast Deine Platzreife gemacht und solide 16 Stableford-Punkte erspielt. Dein Score Differential berechnet sich wie folgt:

PAR 72 (Beispiel)
COURSE HANDICAP 54 (als Anfänger)
ERSPIELTE PUNKTE 33 (16 als Beispiel + 17 für die nicht gespielten 9 Bahnen)
COURSE RATING 72,3 (Beispiel)
SLOPE 128 (Beispiel)

Setzen wir diese Werte in die Formel ein, ergibt dies ein Score Differential von 50.

Als Neuling bekommt man sogar noch einen Bonus von 2 Schlägen. Das erspielte Handicap (WHI) entspricht also 48.

Mit jahrelanger Golferfahrung erstmalig Turnier gespielt

Schauen wir uns an, was mit dem Handicap passiert, wenn jemand richtig gut Golf spielt, aber noch nie ein Turnier gespielt hat. Nehmen wir an, es wurden auf jeder Bahn 4 Stableford-Punkte gesammelt (also jede Bahnen ein Bogey). Das entspräche 4 Stableford-Punkten mal 9 Bahnen gleich 36 Punkte. Hinzu kommen 17 Punkte für die nicht gespielten 9 Bahnen. Also in Summe 53 erspielte Punkte.

Nutzen wir unsere Berechnungsformel, ergibt dies ein Score Differential von 32,3.

Wie im Beispiel zuvor gibt es als Neuling einen Bonus von 2 Schlägen. Auf Grund der starken Verbesserung von über 10 Schlägen, gibt es einen weiteren Bonus von 2 Schlägen. Das neue Handicap stünde damit bei 28,3.

Solche Sprünge waren im alten System als Anfänger übrigens nicht möglich.

Wie berechnet sich das Handicap, wenn ich weitere handicaprelevante Runden spiele?

Die Berechnung ist abhängig davon, wie viele handicaprelevante Runden ingesamt gespielt wurden. Als »Ergebnis« wird immer das Score Differential (siehe oben) herangezogen.

Anzahl Ergebnisse im Stammblatt Berechnung des WHI / Gewertete Score Differentials Anpassung
1 - 3 Das niedrigste Ergebnis -2,0
4 Das niedrigste Ergebnis -1,0
5 Das niedrigste Ergebnis keine
6 Durchschnitt aus den besten 2 -1,0
7 - 8 Durchschnitt aus den besten 2 keine
9 - 11 Durchschnitt aus den besten 3 keine
12 - 14 Durchschnitt aus den besten 4 keine
15 - 16 Durchschnitt aus den besten 5 keine
17 - 18 Durchschnitt aus den besten 6 keine
19 Durchschnitt aus den besten 7 keine
20 Durchschnitt aus den besten 8 keine

Du siehst, die Berechnung ist wirklich recht kompliziert. Dafür werden Anfänger für gute Leistungen belohnt und das WHI spiegelt tatsächlich die aktuelle Spielstärke viel besser dar als das alte System. Oder wie siehst Du das? Ich bin auf Deinen Kommentar gespannt.

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Christophe

Christophe hat GOLFSTUN.DE in's Leben gerufen, um anderen Golfern den Einstieg in den Golfsport zu erleichtern.

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Andreas

Christophe, du bist wie immer TOP in Deinen Erklärungen!
Würde es einen Unterschied machen, ob die RPR (EDS) Runde nach Zählspiel oder nach Stableford ausgewertet würde? Das Beispiel des Bogeyspielers braucht ja keine Streichlöcher. Benachteiligt da die Formel? Oder gibt es keine 9 Loch Zählspiele?
Und noch eine Frage: Es gibt bei uns Turnierausschreibungen: 9 Loch, die zweiten 9 Loch werden als 17 Stableford gewertet. Das kann einen ja sogar benachteiligen.

Andreas

Also der Bogeyspieler spielt ja locker mehr als 17 Punkte auf den zweiten Neun. Rechne mal den Vergleich durch zwischen 9 über nach 9 und sagen wir 22 über nach 18, also schlechtere Backnine mit Pars und Triplebogeys. Ist es so, dass es den Spieler, der mehr als 17 Stablefordpunkte auf 9 Loch spielt, nicht klar benachteiligt?

Andreas

Hätte ich Deine Seite davor gekannt, wäre ich 18 Loch gegangen. 17 Stablefort auf 9 Loch.. Mit Hc 54 kann man ja ständig drei über sein dafür. Aber ist im Endeffekt ja auch egal, irgendwann relativiert sich das eh und Nettopreise sind so auch noch eher möglich 😉

Carmen

16 + 17 Punkte ergeben keine 35, wie im Beispiel angegeben, sondern lediglich 33 Punkte.

Walter

Kannst du mir bitte beim letzten Beispiel (53 Nettopunkte) die Berechnung zeigen wie du auf 32,3 kommst. Wenn ich die Werte vom obrigen Beispiel einsetze (Slope 128, CR 72,3) komme ich nicht auf diese Zahl.
Deine Erklärungen sind aber Spitze!!!!

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