Fahne rausnehmen oder drin lassen: Was spart Schläge?
Es gibt keinen Strafschlag mehr, wenn die Fahne beim Putten im Loch bleibt! Die neuen Golfregeln machen es möglich (Regel 13.2a). Das Ziel der Regelhüter ist es, das Spiel schneller zu machen. Bleibt die Fahne stecken, spart das Zeit. Vielleicht mag das Putten mit gesteckter Fahne im ersten Moment ungewohnt sein … doch kann genau das Schläge sparen!


Soll die Fahne rein oder raus?
Der Flaggenstock, Dein Freund und Helfer?
Wer an seine Erfahrungen mit dem Flaggenstock denkt, wird wahrscheinlich eins der beiden folgenden Bilder im Kopf haben:
- Ein etwas zu stark gespielter Chip knallt mittig gegen den Flaggenstock und fällt ins Loch.
- Eine nahezu perfekt gespielte Annäherung springt direkt gegen den Flaggenstock und der Ball rollt vom Grün.
Wenn Du das zweite Bild im Kopf hast, guckst Du wahrscheinlich viele PGA-Turniere. Und diese Horrorvorstellung hat auch keine Bedeutung für das Anwenden der neuen Golfregel. Denn bei der geht es ja um Schläge auf dem Grün!
Welche Faktoren spielen also eine Rolle? Das Material des Flaggenstocks (Alu oder Fiberglas) beeinflusst, wie stark der Ball wegspringt. Selbstverständlich spielt die Geschwindigkeit des Putts eine große Rolle. Außerdem macht es einen Unterschied, ob der Ball den Flaggenstock mittig trifft – oder am Rand. Ein Flaggenstock in Schwingung (starker Wind) wird sich ebenfalls anders verhalten.
Testergebnis: Lass die Flagge drin!
Yves C. Ton-That von Expert Golf hat beim Experimentieren herausgefunden, dass es bei einem »richtig« dosierten Putt keinen Unterschied macht, ob die Fahne im Loch steckt oder herausgenommen wurde. Bei zu stark gespielten Putts konnten die größten Unterschiede festgestellt werden. Das Ergebnis nach 1.000 Bällen (alle per Stimpmeter mit der gleichen Geschwindigkeit und Richtung gerollt):
| Ohne Flaggenstock | 55% eingelochte Putts |
| Mit Flaggenstock | 78% eingelochte Putts |
Außerdem interessant: Bälle, die den Flaggenstock berühren, aber nicht fallen, blieben näher am Loch liegen als Bälle, die über die Lochkante hinausschießen.

Experiment 1: Lass die Fahne drin!
In einem weiteren Experiment hat mygolfspy ebenfalls mit einem Stimpmeter ausgiebig getestet – sogar mit unterschiedlich flexiblen Flaggenstockarten. Das Ergebnis:
Flaggenstock aus Fiberglas
| Geschwindigkeit | Mittig | Rand |
| Langsam | 100% | 85% |
| Mittel | 100% | 40% |
| Schnell | 80% | 0% |
Flaggenstock aus Aluminium
| Geschwindigkeit | Mittig | Rand |
| Langsam | 100% | 60% |
| Mittel | 100% | 15% |
| Schnell | 70% | 0% |
Ohne Flaggenstock
| Geschwindigkeit | Mittig | Rand |
| Langsam | 100% | 40% |
| Mittel | 35% | 10% |
| Schnell | 5% | 0% |
Auch im zweiten Experiment bestätigt sich die Beobachtung, dass besonders bei schnellen Putts, die den Fahnenstock mittig treffen, die Unterschiede von gravierendem Vorteil sind.

Mit Fahne im Loch fallen mehr Putts
Doch auch ein zweiter Wert wurde gemessen: Wie weit lag im Durchschnitt der Ball vom Loch entfernt, wenn er sein Ziel verfehlt hat? Die Unterschiede der schnellen Putts waren besonders hervorstechend:
| Mittig | Rand | |
| Alu-Flaggenstock | 35 cm | 165 cm |
| Fiberglas-Flaggenstock | 15 cm | 165 cm |
| Kein Flaggenstock | 53 cm | 205 cm |
Das Putten mit gesteckter Fahne kann – gerade bei kürzeren Putts – ungewohnt sein. Wenn Du Dir die Testergebnisse ansiehst, könnte es sich sehr lohnen, Freundschaft mit dem Flaggenstock zu schließen. Nutze ihn als Zielhilfe, fokussiere Dich damit noch mehr auf die Lochmitte und profitiere von niedrigeren Scores, wenn Du mal etwas zu kräftig putten solltest.
Selbstverständlich kann es trotz aller Statistik passieren, dass ein Putt ohne Fahne gefallen wäre, er aber vom Flaggenstock rausgelenkt wurde. In Summe wirst Du dennoch besser fahren, wenn Du den Flaggenstock dort lässt, wo auch der Ball hin soll: im Loch.
Was machst Du? Lässt Du den Flaggenstock bereits drin oder hältst Du an der Gewohnheit fest und nimmst ihn immer noch raus?