Lange Putts: So vermeidest Du das Drei-Putt-Desaster

Stefan Quirmbach

Stefan Quirmbach

Stefan Quirmbach spielt seit über 50 Jahren Golf, ist PGA Masterprofessional und PGA Health Pro. Er leitet die Golfschule im GolfResort Hardenberg.

Der Ball liegt 10 Meter vom Loch. Du weißt, dass Du ihn nicht einlochst. Aber knapp vorbeischieben – das sollte doch drin sein. Und dann passiert es trotzdem: zwei weitere Putts. Drei Putts, die niemand braucht und die Deine Scorekarte ruinieren.

Dabei ist das lösbar. Lange Putts sind nämlich kein Glücksspiel – sondern eine Frage der richtigen Technik. Ich zeige Dir, worauf es wirklich ankommt.

Warum lange Putts so entscheidend sind

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Von den drei Distanzen – kurz, mittellang und lang – ist der lange Putt mit Abstand der wichtigste. Er entscheidet darüber, ob Du überhaupt noch weitere Putts brauchst. Kommst Du nah genug ans Loch, wird der kurze Putt zur Routine. Liegst Du weit weg, fängt der Ärger an.

Eine gute Faustregel für die Distanzkontrolle ist die sogenannte 10-Prozent-Regel:

  • Bei einem 10 Meter Putt: innerhalb von 1 Meter ans Loch kommen
  • Bei einem 5 Meter Putt: innerhalb von 50 Zentimeter ans Loch kommen

Drei Putts aus dieser Distanz zu vermeiden ist deshalb keine Frage des Talents, sondern der Konsequenz. Einlochen wäre schön, ist statistisch aber kaum realistisch. Das Ziel ist die Zone um das Loch – nicht das Loch selbst.

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Tempo schlägt Größe der Bewegung

Viele Golfer denken, die Länge des Putts hängt davon ab, wie weit sie ausholen. Das stimmt so nicht. Du kannst weit ausholen und langsam schwingen oder kurz ausholen und schnell – beides überträgt ähnlich viel Energie auf den Ball. Deshalb ist das Tempo der Pendelbewegung entscheidend, nicht der Radius.

Einen guten Anhaltspunkt für die Pendellänge gibt es dennoch:

  • Bei kurzen Putts bleibt der Putter innerhalb Deiner Fußbreite
  • Bei langen Putts geht er auf beiden Seiten etwas über Deine Fußbreite hinaus

Wichtig dabei: Das Pendel muss gleichmäßig aussehen. Nie so, dass der Griff noch innerhalb der Füße ist, der Schlägerkopf aber schon außerhalb. Das Bild muss stimmig sein – gleichmäßig durchpendeln.

Der entscheidende Faktor: Den Sweet Spot treffen

Hier steckt das eigentliche Geheimnis langer Putts. Selbst wenn Dein Pendel perfekt ist, verlierst Du die Distanzkontrolle – wenn Du den Ball nicht mit der Mitte der Schlagfläche triffst.

Ein einfaches Experiment zeigt das: Hältst Du den Putter locker und triffst den Ball an der Spitze oder an der Hacke, verdreht sich der Schlägerkopf sofort. Dadurch geht Energie verloren. Der Ball rollt kürzer als geplant. Beim nächsten Versuch pendelst Du fester – und triffst zufällig die Mitte. Plötzlich rollt der Ball viel weiter. Das führt zu genau den Distanzproblemen, die Drei-Putts verursachen.

Das passiert beim Verfehlen des Sweet Spots:

Triffst Du den Ball an der Spitze, dreht sich der Schlägerkopf weg. Du verlierst Energie. Der Ball bleibt kurz. Triffst Du ihn in der Mitte, läuft er weit. Solange Du nicht gleichmäßig triffst, kannst Du Distanzen nicht zuverlässig einschätzen – egal wie gut Dein Pendel ist.

Der Gate-Drill für saubere Treffpunkte

Die effektivste Übung für lange Putts ist der sogenannte Gate-Drill. Tiger Woods soll ihn jedes Mal nutzen, wenn er aufs Grün kommt – und das mehrere Dutzend Male am Stück.

So funktioniert der Gate-Drill:
  1. Lege zwei Bälle links und rechts neben Deinen Putter – jeweils etwa 1 Zentimeter Abstand zur Spitze und zur Hacke
  2. Lege den dritten Ball genau in die Mitte zwischen die beiden Bälle
  3. Putte den mittleren Ball durch die Gasse, ohne einen der äußeren Bälle zu berühren
  4. Wenn Du einen der Außenbälle triffst, weißt Du sofort: Spitze oder Hacke hat den Ball erwischt
  5. Nach einigen Schlägen mit den Hilfsbällen: denselben Putt ohne Bälle wiederholen und auf das Geräusch des Treffmoments achten

Ein sauberer Treffer klingt anders als ein Treffer an der Spitze. Mit der Zeit entwickelst Du ein Gefühl dafür – auch ohne visuelle Kontrolle.

Weiche Hände bei langen Putts

Für lange Putts empfiehlt es sich außerdem, die Hände etwas nach innen zu nehmen. Das gibt Dir weichere Hände während der Pendelbewegung. Ein leichtes Federn ist erlaubt – es darf nur nie so aussehen, dass der Putter unkontrolliert schwankt. Der Schlägerkopf pendelt immer über Deinen linken Oberschenkel durch. Körperlinien bleiben parallel. Vor dem Schlag noch einmal zum Ziel schauen, Kopf zurückdrehen – und dann ruhig durchpendeln.

Nach dem Schlag gilt: Kopf bleibt vorne. Den Ball beobachten, bis er ausrollt. Das gibt Dir wertvolles Feedback für den nächsten Putt.

Kurz zusammengefasst

Lange Putts gelingen Dir, wenn Du drei Dinge zusammenbringst: ein gleichmäßiges Pendeltempo, einen sauberen Treffpunkt in der Mitte der Schlagfläche und die Disziplin, nach dem Schlag ruhig zu bleiben. Der Gate-Drill ist dafür die beste Übung – einfach aufzubauen und sofort wirksam.

Wie weit sind Deine langen Putts typischerweise vom Loch entfernt – und passieren Dir die Drei-Putts eher durch Über- oder Unterschiessen? Schreib es in die Kommentare – ich beantworte alle Fragen!

Text: CSP

Stefan Quirmbach

Stefan Quirmbach

Stefan Quirmbach spielt seit über 50 Jahren Golf, ist PGA Masterprofessional und PGA Health Pro. Er leitet die Golfschule im GolfResort Hardenberg.

Kommentare

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7 Kommentare
Dr. Detlef Stronk

Guten Tag Stefan,
empfiehlst du beim Putten das Dreieck aus Armen und Schultern unverändert zu pendeln oder ist und bleibt der rechte Arm lang und der linke weich, wie es angesehene Putt Trainer empfehlen?

Stefan Quirmbach

Guten Tag zurück, lieber Detlef. Bei langen Putts ist meine gesamte Grundhaltung im Körper und den Armen weich und die Hände umfassen den Griff des Putters etwas mehr nach innen gedreht. Die Grundbewegung bleibt mMn aber immer ein Pendel, dessen Drehpunkt im "Herzbereich" liegt. Der Putterkopf und beide Hände sollten mit Hilfe der Pendelbewegung am vorderen Oberschenkel vorbei schwingen, ohne dass ich in diese Bewegung mit den Händen eingreife. Der Schwungbogen des Putters wird dann ohne mein zutun natürlich ausgeführt. Der Fokus liegt auf dem mittigen Treffen, die Richtung ist sekundär . Daher dürfen die Arme "weich" sein. Das ist… Weiterlesen »

Dr. Detlef Stronk

Was für eine hilfreiche Antwort! Danke.
Ergänzungsfrage: bei den kurzen Putts sind deine Arme dann straffer? Warum der Unterschied zu den langen?
Verblüffend, dass ich das auch so gefühlt habe, ohne es zu verstehen.

Quirmbach Stefan

Ja, aber wie genau verrate ich jetzt noch nicht ..Da musst du dich gedulden, bis das Video zum kurzen Putt erscheint! 😜
Liebe Grüße

Dr. Detlef Stronk

Bin sehr gespannt. Du schreibst wirklich ausgezeichnete Empfehlungen.

Eugen Jetzfellner Dr.,MBA

Sehr geschätzter Stefan, sehr gut erklärt, leicht verständlich zum nachmachen! Danke beste Grüße aus München von Eugen
Danke

Quirmbach Stefan

Danke, Eugen!

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